Struktur der dualen Ausbildung
Die Ausbildung zum Bankkaufmann dauert in der Regel drei Jahre und folgt dem dualen System. Dies bedeutet, dass die Auszubildenden sowohl im Betrieb (z. B. einer Bankfiliale) als auch in der Berufsschule lernen. Durch diese Kombination von praktischer Arbeit und theoretischem Unterricht wird ein umfassender Einstieg ins Berufsleben ermöglicht.
Aufteilung der Ausbildungszeit:
- Betriebliche Ausbildung: Ca. 70% der Ausbildungszeit verbringen die angehenden Bankkaufleute in der Bank, wo sie praktische Erfahrungen sammeln und an echten Kundenfällen arbeiten.
- Berufsschulunterricht: Ca. 30% der Zeit entfällt auf den Besuch der Berufsschule, wo theoretische Kenntnisse vermittelt werden.
In der Regel findet der Berufsschulunterricht entweder an bestimmten Wochentagen oder in Blockform statt.
Praktische Ausbildung im Betrieb
Die praktische Ausbildung vermittelt den angehenden Bankkaufleuten fundierte Kenntnisse in verschiedenen Bereichen des Bankwesens. Dazu gehören:
Kundenservice und Beratung
Ein wesentlicher Bestandteil der Ausbildung ist der Kontakt mit Kunden. Bankkaufleute lernen, Kunden zu Girokonten, Sparprodukten, Krediten und Versicherungen zu beraten. Sie entwickeln Fähigkeiten, um Kundenanliegen zu verstehen und passende Lösungen anzubieten.
Kontoführung und Zahlungsverkehr
Die Auszubildenden werden in der Verwaltung von Konten geschult. Dazu gehören Einzahlungen, Auszahlungen, Überweisungen, Daueraufträge und Lastschriften. Sie lernen den sicheren Umgang mit Zahlungsverkehrssystemen und Banksoftware.
Kreditgeschäft
Im Kreditwesen lernen die Auszubildenden, wie Kreditanträge geprüft und genehmigt werden. Sie erhalten Einblicke in verschiedene Kreditarten wie Konsumkredite, Baufinanzierungen und Unternehmenskredite. Auch die Bewertung von Sicherheiten und die Berechnung von Tilgungsplänen gehören dazu.
Anlageberatung
Bankkaufleute beraten Kunden zu verschiedenen Anlagemöglichkeiten wie Sparbüchern, Tagesgeldkonten, Fonds und Wertpapieren. Sie lernen, Kundenbedürfnisse zu analysieren und passende Anlagestrategien zu entwickeln.
Verkauf von Finanzprodukten
Ein weiterer wichtiger Bestandteil ist der Vertrieb von Finanz- und Versicherungsprodukten. Die Auszubildenden lernen Verkaufstechniken und die Präsentation von Produkten, um den individuellen Bedürfnissen der Kunden gerecht zu werden.
Theoretische Ausbildung in der Berufsschule
In der Berufsschule wird das praktische Wissen durch theoretische Inhalte ergänzt. Die wichtigsten Unterrichtsfächer sind:
Bankbetriebslehre
In diesem Fach lernen die Auszubildenden die Grundlagen des Bankwesens kennen, darunter die verschiedenen Bankgeschäfte, Bankprodukte und Dienstleistungen sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen.
Allgemeine Wirtschaftslehre
Hier werden wirtschaftliche Grundlagen vermittelt, wie Marktmechanismen, Wirtschaftsordnungen, Konjunktur und Wirtschaftspolitik. Auch volkswirtschaftliche Themen wie Geldpolitik und Finanzmärkte werden behandelt.
Rechnungswesen und Controlling
Die Auszubildenden lernen, wie Bilanzen erstellt, Geschäftsvorfälle verbucht und Finanzkennzahlen analysiert werden. Dieses Fach vermittelt ein tiefgehendes Verständnis für die finanzielle Steuerung eines Bankbetriebs.
Recht und Steuerlehre
In diesem Fach geht es um rechtliche Grundlagen, die für Bankgeschäfte relevant sind. Dazu gehören das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB), das Handelsgesetzbuch (HGB) sowie Vorschriften des Kreditwesengesetzes (KWG). Steuerliche Aspekte wie Kapitalertragssteuer und Umsatzsteuer werden ebenfalls behandelt.
Wirtschafts- und Sozialkunde
Hier werden Themen wie Arbeitsrecht, Sozialversicherung, Tarifverträge und betriebliche Mitbestimmung vermittelt. Ziel ist es, den Auszubildenden ein Verständnis für ihre Rechte und Pflichten im Berufsleben zu geben.
Zusätzliche Inhalte und Schulungen
Während der Ausbildung werden oft zusätzliche Schulungen und Seminare angeboten. Dazu gehören:
- Verkaufstraining: Schulung in Verkaufstechniken und Gesprächsführung.
- Kommunikationstraining: Verbesserung der Gesprächskompetenz für den Kundenkontakt.
- IT-Training: Schulung im Umgang mit Banksoftware und digitalen Tools.
Prüfungen und Abschluss
Die Ausbildung zum Bankkaufmann schließt mit einer gestreckten Abschlussprüfung ab, die in zwei Teilen erfolgt:
Teil 1 der Abschlussprüfung
Dieser findet etwa zur Mitte der Ausbildung statt und prüft Kenntnisse in den Bereichen Bankbetriebslehre, Rechnungswesen und Wirtschafts- und Sozialkunde.
Teil 2 der Abschlussprüfung
Am Ende der Ausbildung erfolgt der zweite Teil der Prüfung. Hier werden sowohl theoretische als auch praktische Kenntnisse geprüft. Die Prüfung besteht aus schriftlichen Prüfungen und einem praktischen Prüfungsgespräch.
Zusammenfassung der Inhalte
- Kundenberatung: Kompetente Betreuung und Beratung von Privat- und Geschäftskunden.
- Kontoführung: Abwicklung von Zahlungsverkehr und Verwaltung von Konten.
- Kreditwesen: Prüfung und Abwicklung von Krediten.
- Anlageberatung: Beratung zu verschiedenen Anlagemöglichkeiten.
- Rechtliche Grundlagen: Rechtliche Aspekte des Bankwesens und des Vertragsrechts.
- Vertrieb: Verkauf von Finanz- und Versicherungsprodukten.
Die Kombination aus praktischer Erfahrung und theoretischem Wissen ermöglicht einen fundierten Einstieg in die Bankenbranche. Nach erfolgreicher Ausbildung stehen zahlreiche Weiterbildungsmöglichkeiten und Karrierewege offen.