Einleitung
Der Beruf des Physiotherapeuten ist abwechslungsreich, anspruchsvoll und geprägt von intensiver Arbeit mit Patienten. Ein typischer Arbeitstag variiert je nach Einsatzbereich, doch viele Abläufe sind ähnlich, ob in einer Physiotherapiepraxis, einem Krankenhaus, einer Rehabilitationsklinik oder bei Hausbesuchen. Der Arbeitsalltag umfasst therapeutische Behandlungen, individuelle Planung von Therapieeinheiten, Dokumentation, organisatorische Aufgaben und die Zusammenarbeit mit Ärzten und anderen Gesundheitsfachkräften. Ein Physiotherapeut braucht nicht nur fachliches Know-how, sondern auch soziale Kompetenzen wie Einfühlungsvermögen, Geduld und Kommunikationsfähigkeit.
Start in den Arbeitstag
Ein typischer Arbeitstag beginnt früh, oft zwischen 7:00 und 8:00 Uhr. Viele Physiotherapeuten nutzen die Zeit vor den ersten Terminen, um sich auf den Tag vorzubereiten.
- Überprüfung des Terminplans: Der Physiotherapeut geht den Tagesplan durch, um sich auf die kommenden Patienten einzustellen. Dabei werden Therapieziele, Besonderheiten und Behandlungsabläufe überprüft.
- Vorbereitung des Behandlungsraums: Der Raum wird für die ersten Patienten vorbereitet, dazu gehören das Bereitstellen von Therapiegeräten, Behandlungsliegen und Materialien wie Bänder, Gewichte oder Tapes.
- Team-Meeting: In vielen Einrichtungen findet morgens ein kurzes Team-Meeting statt. Hier werden aktuelle Fälle, Therapieerfolge oder organisatorische Angelegenheiten besprochen.
Nach dieser Vorbereitung startet der Physiotherapeut in die erste Behandlung.
Behandlung von Patienten
Der Hauptteil des Arbeitstags besteht aus der direkten Behandlung von Patienten. Eine Behandlungseinheit dauert in der Regel 20 bis 60 Minuten, abhängig von der Diagnose und der Therapieform. Die Behandlungsmethoden variieren stark und werden individuell angepasst.
Erste Behandlung des Tages
Zum Beispiel kommt um 8:00 Uhr der erste Patient: ein Mann mittleren Alters mit Rückenschmerzen aufgrund eines Bandscheibenvorfalls. Die Behandlung umfasst:
- Befundaufnahme: Abfrage des aktuellen Schmerzzustands und Beweglichkeitstests.
- Manuelle Therapie: Mobilisation der betroffenen Wirbelsäulenabschnitte zur Schmerzlinderung.
- Kräftigungsübungen: Gezielte Übungen zur Stabilisierung der Rückenmuskulatur.
- Anleitung zu Eigenübungen: Der Patient erhält Übungen für zu Hause, um den Heilungsprozess zu unterstützen.
Zweite Behandlung: Neurologische Rehabilitation
Um 9:00 Uhr steht ein Patient mit Multipler Sklerose auf dem Plan. Hier sind Gleichgewichtstraining und Mobilisationsübungen entscheidend:
- Gleichgewichtsübungen: Arbeiten mit Balancekissen und Koordinationsleitern.
- Gangtraining: Förderung sicherer Bewegungsmuster.
- Dehnübungen: Vermeidung von Muskelsteifigkeit.
Pausenzeiten und Dokumentation
Nach zwei bis drei Patienten steht meist eine kurze Pause an. Diese wird genutzt für:
- Dokumentation: Festhalten der Behandlungsschritte, Therapieziele und Fortschritte im Patientendossier.
- Vorbereitung der nächsten Behandlungen: Überprüfung von Anamnesen und Therapieplänen für die folgenden Patienten.
Dokumentation ist ein wichtiger Teil des Arbeitstags, um den Therapieverlauf nachvollziehbar zu halten und die Kommunikation mit Ärzten oder Krankenkassen zu gewährleisten.
Vormittag: Fortsetzung der Behandlungen
Bis zum Mittag stehen weitere Behandlungen auf dem Programm. Jeder Patient bringt individuelle Bedürfnisse und Krankheitsbilder mit sich:
- Sportverletzungen: Behandlung von Bänderrissen oder Muskelzerrungen durch Kühlung, manuelle Techniken und Aufbautraining.
- Postoperative Rehabilitation: Nach Knie- oder Hüftoperationen stehen Mobilisations- und Kräftigungsübungen im Fokus.
- Chronische Schmerzen: Massagen, Wärmetherapie und Entspannungsübungen zur Schmerzlinderung.
Je nach Einrichtung können Gruppenstunden wie Rückenschulen oder Seniorengymnastik zum Vormittagsprogramm gehören.
Mittagspause
Gegen 12:00 oder 13:00 Uhr ist Mittagspause. Viele Physiotherapeuten nutzen diese Zeit zum Erholen oder für den Austausch mit Kollegen. In Kliniken oder größeren Praxen gibt es oft Gemeinschaftsräume für das Personal.
Nachmittag: Fortsetzung der Therapien
Am Nachmittag folgen weitere Behandlungseinheiten. Die Vielfalt der Patienten bleibt bestehen:
Hausbesuche
Einige Physiotherapeuten führen am Nachmittag Hausbesuche durch, um Patienten zu behandeln, die nicht mobil sind. Diese Einsätze erfordern spezielle Planung und Vorbereitung:
- Transport von Materialien: Mitnahme von Übungsmaterialien wie Thera-Bändern, Mobilisationshilfen oder Tapes.
- Anpassung der Therapie: Die Behandlung wird an die häuslichen Gegebenheiten angepasst.
- Betreuung von Pflegebedürftigen: Mobilisation, Gangtraining und Anleitung für pflegende Angehörige.
Spezialisierte Therapien
Je nach Weiterqualifikation führt der Physiotherapeut spezialisierte Behandlungen durch:
- Manuelle Lymphdrainage: Behandlung von Schwellungen nach Operationen oder Krebserkrankungen.
- Bobath-Therapie: Neurologische Rehabilitation für Patienten mit Schlaganfällen.
- Sportphysiotherapie: Betreuung von Athleten mit Verletzungen oder zur Leistungssteigerung.
Administrative Aufgaben
Zum Ende des Arbeitstags stehen administrative Tätigkeiten an:
- Dokumentation vervollständigen: Abschließende Einträge zu den Behandlungen des Tages.
- Berichte für Ärzte und Krankenkassen erstellen: Notwendige Informationen zur Weitergabe an behandelnde Ärzte.
- Terminplanung: Vereinbarung von Folgeterminen mit Patienten.
Teambesprechungen und Weiterbildung
Regelmäßige Teambesprechungen sind wichtig für den Austausch von Informationen und Erfahrungen:
- Fallbesprechungen: Analyse komplexer Fälle im Team.
- Fortbildungsangebote: Teilnahme an Schulungen zu neuen Therapieformen.
Ende des Arbeitstags
Ein typischer Arbeitstag endet zwischen 17:00 und 18:00 Uhr. Nach dem Aufräumen der Behandlungsräume und letzten organisatorischen Tätigkeiten wird der Tag abgeschlossen.